Im Paralleluniversum Efferen

Was passiert, wenn 1.100 Studierende glauben, dass sie in die Großstadt ziehen und in Kölns einzigem Studentendorf landen – das gar nicht in Köln liegt? Eine Geschichte in Worten und Bildern von Ivana Forster (Text) und Ina Busch (Fotos)

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen – und hatte die Ödnis satt. Studieren in Köln, das klang vielversprechend: Partymeilen in nächster Nähe, Karneval, Großdemos. Entsprechend ernüchtert war ich, als ich sah, wo ich wirklich gelandet war. In Efferen auf dem Acker. Aber das sollte sich bald ändern. Spätestens mit den ersten Sonnenstrahlen waren die Wiesen und die Grillplätze vor der Hautür ein Luxus. Bei offenem Fenster kann ich den Vögelchen zuhören und Babyhasen beim Spielen zusehen. Ein bisschen fühlt sich das manchmal an, als ob man mitten in einer Parkanlage leben würde.

Nachts ist Efferen ein Geisterdorf

Ein Vorteil des Studentendorfs: Die Miete ist für Köln ziemlich günstig. Manch einer meiner Kommilitonen zahlt hier für ein Zimmer weniger als 200 Euro. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum man es gut hier aushalten kann. Als es im vorigen Sommer heiß wurde, habe ich mit Freunden einen halblegalen Badesee im angrenzenden Wald entdeckt. Auch wenn der Anglerverein jetzt jeden Sommer auf ein Neues versucht, die Studenten mit neuem Stacheldraht vom See fernzuhalten: Wir springen hier regelmäßig ins kalte Wasser. Und welcher Student in der Stadt hat schon einen eigenen Badesee direkt vor der Haustür? Wenn es dunkel wird, könnte man erwarten, dass in Efferen non-stop Party geht. 1.000 Studenten unter sich – da muss doch permanent der Bass dröhnen? Es stimmt: Eigentlich läge es nahe, hier krasse Partys steigen zu lassen. Schließlich sind die meisten meiner Nachbarn Studenten und haben wenig zu tun. Und beschweren würde sich niemand. Aber weit gefehlt. Die Kapellenpartys zu Semester-

beginn sind zwar berüchtigt. Doch das restliche Semester feiern die meisten meiner Nachbarn im kleinen Kreis unter sich. Dann hört und sieht man wenig voneinander, wenn es dunkel wird. Nachts ist Efferen ein Geisterdorf.

"Die Wände sind so dünn, man kann hier nicht vögeln."

Wer hier tagsüber durch die Häuserblöcke streift, erkennt sofort, dass sich im Dorf einige wahre architektonische Perlen befinden. Zwei sehen aus wie Toaster und werden von den Einheimischen auch so genannt. Der eine ist rot, der andere blau. Immer wieder stellen sich meine Mitbewohner die Frage: Hat der Architekt bei der Planung zu oft in Toastbrote gebissen? Wir mutmaßen, dass schon einige Brösel unter seinem Arbeitstisch gelandet sind. Das muss niemand von außerhalb lustig finden, das ist halt Efferen-Humor. Neben dem Toaster stehen Schwedenhaussiedlungen in rot und gelb. Die erinnern an Ferienappartements, haben aber einen großen Nachteil. „Die Wände sind so dünn, man kann hier nicht vögeln“, erklärt mir ein Bewohner. Urlaub misslungen, würde ich sagen.

Und noch etwas trübt die vermeintliche Idylle: Hausnummer 9. Ein wahres Ungetüm. Bei den Dorfbewohnern ist es als Mordor bekannt. Ein Hoch- haus, blau-weiß, Kategorie: Plattenbau-Charme. Im Sauron-Style kann man von dort oben das Auge schweifen lassen: Vom 13. Stock hat man einen Blick über ganz Köln. Die entfernte Großstadt – von hier oben erscheint sie ziemlich nah.

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