Öko-Landwirtschaft, Fairtrade-Mode, Lebensmittelrettung: Verantwortungsvolles Wirtschaften liegt im Trend. Auch in Köln mehren sich „grüne Initiativen” – die fünf liebsten Nachhaltigkeitsprojekte der ksz-Redaktion.

 

Regionaler Bio-Schnaps

www.neue-mazerate.de

 

Wein, Bier und Hochprozentiges: Was für den Körper ganz sicher nicht nachhaltig ist, kann es immerhin für die Natur sein. Bio-Biere finden sich inzwischen in jedem Bio-Laden, doch was, wenn es mal etwas mehr knallen soll?

 

Maximilian Helldörfer produziert Bio-Schnaps und zwar in Köln. Bei seinem Label „Neue Mazerate” ist alles bio. Die Kräuter werden mit der Hand geerntet, das Getreide ist Naturland zertifiziert. Und auch mit der Rezeptur nimmt es Maximilian sehr genau. Bis er mit einem Produkt wirklich zufrieden ist, kann durchaus mal ein ganzes Jahr vergehen.

 

Der Name „Mazerate” verweist hier auf den Herstellungsprozess der Mazeration, also die Herauslösung wertvoller Inhaltsstoffe aus den verwendeten Kräutern, die dem Schnaps letztlich seinen Geschmack verleihen.

 

Und damit kennt sich Maximilian gut aus, obwohl er eigentlich gar kein gelernter Destillateur ist. Sein Wissen zu Kräutern und Alkohol hat sich Maximilian selbst angeeignet. Zehn Jahre Gärtnern, fünf Jahre Kochen und fünf Jahre Probieren seien nötig gewesen, um sein Hobby zu professionalisieren. Seine Arbeit wird geschätzt: Mit dem Halbbitter „Hilde” hat Maximilian im Jahr 2016 bei Europas größtem Wettbewerb für „Craft Spirits“ Gold gewonnen. Derzeit verkaufen einige Fachhändler seine Produkte. Die Preise für eine 500 Milliliter-Flasche liegen zwischen knapp 29 und 45 Euro.

 

Wer Maximilians Schnäpse probieren möchte, kann sie im Weinpunkt auf der Antwerpener Straße direkt in Köln kaufen. Auch auf der Schnaps-Karte des Bumann & Sohn findet sich der Likör der „Neuen Mazerate” – dann auch in Probiergröße.

 

Vom Feld in die Kiste

www.solidarische-landwirtschaft.org/solawis-finden/solawi-hoefe-initiativen

 

Tomaten in Plastikfolie und Äpfel aus Neuseeland – wer im Supermarkt Gemüse kauft, kommt an unnötigem Müll, Waren aus Übersee und zu hinterfragenden Anbaumethoden kaum vorbei. Das störte Raphael Lion. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete der Kölner eine Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi): die „Gemüsekoop e.V“. Seit Anfang 2017 bauen die Mitglieder*innen der SoLaWi auf einem Acker in Köln-Widdersdorf Kartoffeln, Rote Beete und anderes Gemüse an. Immer donnerstags wird die Ernte nach Köln geliefert, die Mitglieder*innen können sich ihren Anteil dann in einem Depot in ihrem Stadtteil abholen.

 

Die Idee einer SoLaWi ist es, in Eigenregie zu wirtschaften und sich unabhängig vom Konkurrenzdruck des freien Marktes zu machen. Die Produktionskosten werden von allen gemeinsam getragen. 2017 lag der Durchschnittsbeitrag bei 55 Euro im Monat. Wer dabei sein möchte, muss sich außerdem mit einem Pfand an dem Acker beteiligen, 400 Euro sind das bei der „Gemüsekoop“. Beim Austritt aus der SoLaWi bekommt man sein Pfand zurück. Im Umkreis gibt es außerdem die „Solawi Köln” und die “Solawi Bonn”.

 

Müllfrei einkaufen

www.tante-olga.de

 

Egal was man im Supermarkt kauft, fast immer ist es in Plastik oder Papier verpackt. Das sorgt für große Müllberge in der heimischen Mülltonne. Die Kölnerin Olga Witt wollte das vor vier Jahren nicht mehr hinnehmen. Sie fing an, sich mit Müllvermeidung zu beschäftigen und teilte ihre Erfahrungen auch auf ihrem Blog zerowastelifestyle.de. Im November 2016 gründete sie dann zusammen mit ihrem Mann Gregor und der gemeinsamen Freundin Dinah Stark den damals ersten Laden in Köln für unverpackte Produkte.

 

Ihr Angebot umfasst nicht nur getrocknete Lebensmittel, frische Backwaren und Kaffee, es gibt auch Hygieneprodukte und Haushaltsgegenstände – im Grunde alles, was Studierende zum Leben brauchen. Zudem gibt es jeden Mittwoch bis zu 20 Prozent Studi-Rabatt. Sämtliche Produkte haben Bio-Qualität. Leere Gläser und Behälter können vor Ort gekauft oder von zu Hause mitgebracht werden. Die drei Gründer*innen versuchen, neuen Interessierten die Umstellung zu einem Leben mit weniger Verpackungsabfall so einfach wie möglich zu gestalten. Mit ihrem Laden möchten Olga, Gregor und Dinah auch einen Treffpunkt schaffen, der von gemeinsamen Lebenseinstellungen und gegenseitiger Unterstützung getragen wird. „Durch Austausch und gemeinsames Erleben können eigene Konsumroutinen schrittweise verändert werden“, sagt Dinah.

 

Krummes Gemüse

www.the-good-food.de

 

In Deutschland schaffen es 30 bis 40 Prozent des geernteten Gemüses nicht auf den Ladentisch. Aber nicht etwa wegen Ungenießbarkeit. Krumme Möhren oder fleckige Kartoffeln werden aussortiert, weil der Einzelhandel annimmt, dass Kunden sie nicht kaufen wollen. Nicole Klaski hat mit „The Good Food“ ein Alternativkonzept gegründet, welches sich aktiv gegen diese Lebensmittelverschwendung engagiert. So gibt es in ihrem kleinen Laden auf der Venloer Straße neben dem von The Good Food selbst geernteten Obst und Gemüse viele Lebensmittel zu kaufen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten ist.

 

Der Kunde entscheidet hier außerdem selbst, wie viel er bezahlt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter und Verkäufer helfen mit einem Richtwert, der sich ungefähr an der Hälfte des Neupreises orientiert.

Wer also auf der Suche nach Bio-Lebensmitteln abseits der üblichen Discountketten oder teuren Naturkostläden ist, wird hier fündig. Nicole und ihr Team sind mehrmals die Woche auf Rettungsmission, ob auf dem Großmarkt oder dem Lammerzhof in Kaarst. Deswegen sollte das Programm der üblichen Grundnahrungsmittel auch nicht erwartet werden, je nach Angebot schwankt das Sortiment.

Den eigenen Umgang mit Lebensmitteln hinterfragen, besser planen, weniger wegwerfen: The Good Food ist neben Alternativen wie Foodsharing eine Möglichkeit, mitten in Köln Lebensmittel zu retten.

 

Tragbare Veränderung

www.lesstoolate.com

 

„Kleidung kann mehr sein als nur schön. Sie kann einen politischen Standpunkt vermitteln,“ sagt Anna Müller. Sie ist überzeugt, dass nachhaltige Mode die Gesellschaft verändern kann. Deswegen gründeten sie und ihre Schwester Teresa vor einem Jahr ihr eigenes Label „Less Too Late“ in Köln. Mit Logos oder Statements auf fair hergestellten Kleidungsstücken wollen sie auf gesellschaftlich relevante Themen wie Extremismus und kulturelle Identität aufmerksam machen. Es ist eine Art positiver Protest, der auch Einfluss auf die Textilindustrie und ihre Massenproduktion haben soll.

 

Produziert wird komplett in Indien, bedruckt wird in Köln. „Wir halten zu allen Lieferanten persönlich Kontakt und sorgen für faire Arbeitsbedingungen”, sagt Anna. Das Resultat sind Unisex-Teile, T-Shirts gibt es zum Beispiel ab 36 Euro. Für jedes verkaufte Kleidungsstück gehen fünf Euro an gemeinnützige Projekte wie die „Faradgang e.V.”, die sich für einen fahrradfreundlichen Verkehr einsetzen. Die Schwestern aus Köln haben ihre Kollektion bereits auf der Ethical Fashion Show in Berlin präsentiert. Ihre Mode kommt gut an: Derzeit arbeiten sie am Aufbau ihres Online-Shops. Für Februar 2018 planen Anna und Teresa die erste große Kollektion.

 

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