CampusGarten: Wenn Pflanzen umziehen

Nach langer Unklarheit steht nun endlich fest: Der CampusGarten darf bleiben. Aber an geeigneter Stelle?

 "Die Erde ist nass, kalt und gefroren. Der Umzug ist einfach schwieriger, nicht nur was die Pflanzen und die Botanik angeht, sondern auch von der Organisation her", sagt Aaron Wilmink und steigt aus dem großen Gabelstapler, den die CampusGarten-Gruppe mit Hilfe des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Universität zu Köln eigens für den Umzug besorgt hat. Eigentlich, so sagt Aaron, ist er froh über die Sonne, die sich trotz Kälte noch rausgetraut hat. Sonst wäre das schwieriger geworden, die knapp zehn Helfer und Helferinnen für den Umzug des Gartens zu organisieren. Dass ein Umzug irgendwann anstünde, das sei kein Geheimnis gewesen, sagt Aaron. "Aber dass es so plötzlich passiert - und dann auch noch im Winter - ist sehr schade."

 

Dabei schien im vergangenen Sommer die Welt noch in Ordnung: Zucchinis und Chilis in Hochbeeten, seltene Arten von Alpenveilchen, kleine Krokusse und Bienenstöcke neben selbst gezimmerten Sitzgruppenmöbeln aus Europaletten - ein Stück landwirtschaftliche Idylle mitten in Köln. Das passte perfekt zum Wunsch der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die Köln zur "essbaren Stadt" machen möchte. Anfang 2018 legten der Ernährungsrat der Stadt und die Agora Köln dann sogar konkrete Vorschläge für die Umsetzung vor. Urbane Gemeinschaftsgärten sind ein wichtiger Teil des Konzepts. Der CampusGarten der Universität wird sogar exemplarisch als ein solcher Gemeinschaftsgarten aufgeführt. "Hier wächst mehr als Gemüse", Gemeinschaftsgärten seien "Begegnungsstätten, Räume des Lernens und des Austauschs – frei von Kommerz", schreibt die Agora in ihrem Aktionsplan.

 

Umziehen - mitten im Winter

 

Der CampusGarten schien Rückendeckung von höchster Stelle zu haben. Dementsprechend groß sei der Schock gewesen, als im Dezember 2017 plötzlich laut wurde, dass der Garten bis Anfang Februar zu räumen sei, sagt Aaron vom CampusGarten-Team. Auch der AStA reagierte entsetzt: Der zu erwartende Umzug des Gartens, so habe man das mit der Uni abgesprochen, solle mit großem zeitlichen Vorlauf angekündigt werden, damit der Umzug in der Gartensaison stattfinden könne, sagt Dario Georg vom damaligen AStA. Pflanzen und Saatgut sind von März bis Oktober besser geschützt. Lange war unklar, ob die selbst gebauten Hochbeete transportiert werden können.

 

Ende Januar 2018 dann - nur wenige Tage vor dem angesetzten Abrisstermin - fand der AStA in Zusammenarbeit mit der Uni endlich eine Ausweichfläche. Gemeinsam mit Martin Greitemann, Leiter des Dezernats für Gebäude- und Liegenschaftsmanagement der Uni, einigten sich AStA und das CampusGarten-Team auf den neuen Standort. "Ich selbst war an der Gründung des CampusGartens beteiligt und halte den Garten für ein wichtiges Projekt. Es war natürlich unglücklich, dass der Umzug nun so überstürzt kam", sagt Greitemann. Doch habe er selbst zeitgleich mit dem AStA erst Anfang Dezember von dem Bauvorhaben erfahren.

Forschungszentrum statt Hochbeete

Auf dem ehemaligen CampusGarten-Gelände soll nun ein zweites Forschungszentrum der Uniklinik entstehen, baugleich zu dem Gebäude direkt neben dem bisherigen Garten. Verantwortlich für den Bau zeichnet die Firma medfacilities, die der Uni Köln angehört. Die neue Fläche des Gartens ist nur knapp 100 Meter entfernt, neben einem Parkplatz in der Gyrhofstraße nahe des Philosophikums, einzig das Rechnerhaus trennt die beiden Garten-Standorte - den neuen und den alten - voneinander. "Der alternative Weg wäre gewesen, das Projekt ganz einzustampfen oder die Sachen einzulagern, das wäre echt unpraktikabel gewesen", sagt Aaron mit Blick auf die ersten Hochbeete, die ein anderer Freiwilliger gerade mit dem Gabelstapler Stück für Stück auf die neue Fläche setzt.

 

Das neue Gelände sei aus gärtnerischen Aspekten nicht ganz so glücklich gewählt, sagt Eike Wulfmeyer, der sich im CampusGarten für Saatgutdiversität und -qualität einsetzt. "Hier wächst überall Stumpfblättriger Ampfer", sagt er bei einer Begehung der neuen Fläche. Das sei ein klarer Anzeiger dafür, dass die Bodenqualität hier schlechter sei als im ehemaligen Garten. "Außerdem machen mir die Autoabgase vom benachbarten Parkplatz und der Schatten vom Gebäude neben uns hier Sorgen", sagt der Geologe. Auch vor dem Hintergrund eines "Essbaren Kölns" seien das natürlich relevante Punkte, die beachtet werden müssten.

 

Dieser Umzug des CampusGartens wird nicht der letzte gewesen sein. Die nun genutzte, kleinere Fläche kann nach Angaben des Dezernats 5 der Uni maximal für die nächsten vier Jahre erhalten werden. Noch währenddessen, spätestens aber nach Ablauf dieser vier Jahre, sagt Greitemann, wolle man sich endlich um eine endgültige Standortlösung für den CampusGarten kümmern. "Am besten in unmittelbarer Nähe zum Grüngürtel", meint er. Das sei ja dann auch im Sinne einer "Essbaren Stadt". Die Agora und der Ernährungsrat rufen noch bis zum 3.3. dazu auf, den Aktionsplan für eine "Essbare Stadt" mitzugestalten. In einem Google-Dokument ist der Vorschlag für alle frei einsehbar und kann bearbeitet werden.

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