Das Café Chaos an der humanwissenschaftlichen Fakultät steht vor dem Aus. Denn der Raum im Keller des Hauptgebäudes erfüllt die Brandschutzauflagen nicht. Die Universität möchte das Café deshalb schließen und bietet den Betreiber*innen auch keinen alternativen Raum an. Das stößt auf lautstarken Protest.

Auf der Wiese vor der Humanwissenschaftlichen Fakultät hat sich am Donnerstag, den 12. April eine kleine Menschenmenge im Sonnenschein versammelt. Sofas stehen vor dem Gebäude, an einem kleinen Stand wird umsonst Tee und Kaffee ausgeschenkt und alle lauschen gebannt den Reden, die gehalten werden. Denn die Studierenden wollen nicht bloß die Sonne genießen, sondern gegen die angekündigte Schließung des Café Chaos protestieren.

 

"Der Betrieb des Café Chaos ist aus brandschutzrechtlichen Gründen an dem bisherigen Ort nicht mehr möglich. Auch weitere Räume der Fakultät, zum Beispiel das Foyer, müssen aufgrund der hohen Auflagen umgestaltet werden",  heißt es von Seiten der Uni. Das Dekanat stehe aber im Austausch mit den Betreiber*innen und es werde geprüft, ob für einzelne Veranstaltungsformate andere Räume bereitgestellt werden können. Einen Umzug des kompletten Cafés plant die Universität aber nicht.

 

 

 

Weil sich die Betreiber*innen damit nicht zufrieden geben möchten, protestieren sie nun. Ihre Forderung lässt sich auf zwei Worte herunterbrechen, die auf einem Plakat stehen, das am Hauptgebäude der humanwissenschaftlichen Fakultät aufgehängt wurde: "Chaos bleibt!".

In zahlreichen Reden machen Betreiber*innen und Freund*innen des Cafés klar, warum ihnen das so wichtig ist. Ein Betreiber erzählt, wie das Café Chaos vor 25 Jahren als studentisch besetzter Raum ins Leben gerufen wurde. Dem folgen gerührte Erzählungen von Studierenden, die den Zuhörern nochmal erläutern, was der Raum für sie bedeutet. Die freie Impro-Gruppe, die sich dort jede Woche trifft, die Konzerte und politischen Debatten, die dort regelmäßig stattfinden, der Foodsharing-Fairteiler mit Kühlschrank und das Umsonstregal - das sind nur einige Beispiele für die Aktivitäten und Zwecke, denen das Café dient.

 

Eine Studentin verliest im Anschluss noch den Brief eines ehemaligen Betreibers. Dieser betont besonders die Einzigartigkeit und Wichtigkeit des Cafés als „letzte kapitalismusfreie Zone“ in der Stadt und damit als absolut schützenswerter Bereich in Zeiten der Kommerzialisierung.

 

Denn das Café Chaos ist für die Betreiber*innen wie auch die Besucher*innen viel mehr als ein Café: Es ist ein politischer Ort. Das machen sie auch auf der Facebook-Seite "Chaos bleibt!" deutlich. Aus ihrer Sicht  würde mit dem Café "ein offener Raum für selbstorganisierte Kunst-, Politik- und Kulturarbeit verloren gehen, der so in seiner Funktion an der Universität zu Köln einzigartig ist". Sie werfen der Universität vor, sich mit kritischer Lehre zu schmücken, aber keine Räume für wissenschaftlichen interdisziplinären Austausch zu schaffen. Und weiter: "Gerade im Kontext der Neoliberalisierung der Hochschulen und eines spürbaren Rechtsrucks in der Gesellschaft betrachten wir die geplante Räumung des Café Chaos mit Sorge."

 

Doch so schlecht es für das Café momentan aussieht, die Stimmung bei der Kundgebung kann das nicht trüben: Als das Lied gesungen wird, das extra für das Café Chaos geschrieben wurde („Das Chaos bleibt“), spürt man das Engagement der Zuhörer*innen.  „Eure Brandschutzbestimmungen können nicht verhindern, dass wir für die Sache brennen“, lautet eine Zeile des Songs. Das wird vom Publikum begeistert aufgenommen - lautes Mitsingen und -tanzen inklusive. Ob und wenn ja wo das Café Chaos bestehen bleibt - darüber wird wohl in den kommenden Wochen entschieden. 

 

 

 

 

 

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