„Wir haben kürzlich selbst erlebt, dass es Rassismus im Alltag gibt“

June 4, 2018

Vom 4. bis zum 13. Juni feiert die Uni Köln das „Festival contre le racisme“ 2018. Was sind die Highlights? Wer finanziert das Festival? Und was hat der jüngste Shitstorm gegen den AStA mit dem diesjährigen Motto zu tun? Das und noch mehr verrät Organisator Nicholas Hellmann im Gespräch mit der ksz.

 ksz: Nicholas, gemeinsam mit Aaron Wilmink organisierst du seit drei Jahren das „Festival contre le racisme“. Euer diesjähriges Motto ist „Alltagsrassismus“. Wie kam es dazu?

 

Nicholas: Das Motto wurde dadurch beeinflusst, dass wir als AStA vor einigen Wochen selbst erlebt haben, dass es Rassismus im Alltag gibt: Da in der letzten Zeit häufiger Bauarbeiter in rechter Kleidung gesehen wurden, hatten wir auf Facebook dazu aufgerufen, solche Bauarbeiter bei der Uni zu melden. Daraufhin brach ein furchtbarer Shitstorm los. Einige der Kommentare waren so heftig, dass wir sie angezeigt haben.

 

ksz: Habt ihr auch in Bezug auf das Festival mit Anfeindungen zu kämpfen?

 

Nicholas: Von rechter Seite eigentlich nicht. Linke Gruppen kritisieren manchmal, dass wir nicht radikal genug sind, weil wir selbst, ebenso wie viele unserer Referent*innen und Künstler*innen nicht POC, also „people of colour“ sind. Wir wollen uns aber gegen jegliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit stellen, egal ob auf Grundlage von Nationalität oder Hautfarbe oder ähnlichen Markern.

Leider haben wir auch sehr wenige Frauen dabei. Alte, weiße Männer findet man einfach leichter. Erfreulicherweise konnten wir dieses Jahr aber die Autorin Tupoka Ogette für das Festival gewinnen, deren Qualität aber natürlich auch ihren Preis hat.

 

ksz: Was kostet das Festival denn insgesamt und wer bezahlt es?

 

Nicholas: Im AStA-Haushalt sind für das Festival 29.000 Euro angesetzt. Es ist in den vergangenen drei Jahren leider „versteckt“ teurer geworden, weil wir seitdem das Kino mit dabeihaben. Die Lizenzgebühren für die Filme sind ziemlich hoch. Aber auch die Künstler nehmen mittlerweile viel Geld.

 

ksz: Gibt es denn keine Sponsoren?

 

Nicholas: Früh sponsert das Bier beim Konzert, aber ansonsten gibt es keine richtigen Sponsoren. Natürlich könnten wir auch einfach ein Sommerfest veranstalten wie zum Beispiel die Uni Paderborn, mit vielen Sponsoren und teuren Eintrittskarten. Aber wir haben uns eben entschieden, das Festival contre le racisme zu organisieren, dass ja auch auf Probleme rund um Rassismus aufmerksam machen soll.

 

ksz: Was ist dieses Jahr neu?

 

Nicholas: Eine große Veränderung ist, dass es dieses Jahr doppelt so viele Plätze im Open Air Kino gibt – also 300 statt 150. Letztes Jahr saßen viele Leute auf Decken. Insgesamt gibt es dieses Jahr größere Veranstaltungen, dafür aber weniger als früher. Statt 15 gibt es dieses Jahr nur noch neun Programmpunkte plus eine Ausstellung. In der Ausstellung werden die Werke eines Fotografen gezeigt, der Deutsche gefragt hat: Was würdest du einpacken, wenn du ab jetzt genau eine Stunde Zeit hättest, um zu flüchten? Die Fotos davon sind ab Mittwoch im Erdgeschoss der Mensa zu sehen.

 

ksz: Doppelt so viele Plätze? Kommen grundsätzlich jedes Jahr mehr Leute?

 

Nicholas: Das kann man so nicht sagen. Die wissenschaftlichen Vorträge waren zum Beispiel in den letzten Jahren echt schlecht besucht. Es ist frustrierend, wenn man extra einen Referenten aus Wien kommen lässt und dann sitzen da nur 10 Leute. Deshalb haben wir in diesem Jahr zwei große Ankervorträge.
Bei dem Abschlusskonzert am letzten Tag hängt es immer stark vom Wetter ab, wie viele Leute kommen. In der Regel sind es zwei bis zweieinhalb Tausend.

 

ksz: Nach welchen Kriterien wählt ihr Filme und Künstler*innen aus?

 

Nicholas: Es gibt nicht allzu viele antirassistische Filme. Wir gucken in den Datenbanken, was noch nicht jeder gesehen hat, was aber sehenswert ist. In der Regel zeigen wir immer einen deutschen, einen französischen und einen amerikanischen Film. Dieses Jahr sind es zwei deutsche und ein französischer.

 

ksz: Wie lange dauert es, so ein Festival contre le racisme zu organisieren?

 

Nicholas: Wir sitzen seit Januar dran. Es ist viel Kleinmist zu erledigen. Die letzten drei Wochen haben wir kaum was anderes gemacht.

Heute Abend geht es los: Kabarettist Till Reiners tritt mit seinem Motto „Jeder kann es schaffen, besser zu sein als alle“ um 20 Uhr in der alten Mensa auf und eröffnet damit das „Festival contre le racisme“ 2018. Vom 4. bis zum 13. Juni gibt es täglich einen Kinofilm, ein Theaterstück oder ein anderes Event gegen den Rassismus. Hier findet ihr das Programm.

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