Bürgerkriegsähnliche Zustände bei den Studentenrevolten in Paris, Proteste gegen Rassendiskriminierung in den USA, weltweite Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und soziale Ungerechtigkeit: Die Proteste, die man heute unter dem Namen der 68er-Bewegung zusammenfasst, begannen Anfang der 1960er Jahre in den USA.

1963 erzählte der Afroamerikaner Martin Luther King in seiner berühmten Rede Tausenden von seinem Traum: einer Gesellschaft, in der alle die gleichen Rechte haben. Doch zwischen Traum und Realität klafften Welten, in einem Land, in dem Schwarze im Bus nicht einmal dort sitzen durften, wo sie wollten.

 

Die USA waren zudem im Krieg. Schon 1955 begann das sinnlose Sterben in Vietnam und ein Ende war nicht in Sicht. Viele Studierende in den USA protestierten gegen diesen Krieg und die Protestwellen schwappten schließlich auf andere Länder weltweit über.

 

Und es blieb nicht beim Aufstand gegen den Krieg. Auch die innenpolitischen und sozial-gesellschaftlichen Missstände in den verschiedenen von den Protesten erfassten Ländern wurden kritisiert. In der Sowjetunion lehnten sich die Demonstrierenden gegen das autoritäre System auf, in Paris forderten sie mehr soziale Gleichheit und in Deutschland prangerten sie die fehlende Aufarbeitung der NS-Vergangenheit an.

 

Während die Studentenrevolten in Paris in bürgerkriegsähnlichen Zuständen gipfelten, blieb es in Köln vergleichsweise ruhig. „Paris brennt, Köln pennt“, hieß es damals. Doch so ganz stimmt das nicht.

 

Denn es gab massive Proteste gegen die Hochschulpolitik in NRW und Forderungen einer Demokratisierung der Universität. Zudem sorgten 1966 saftige Preiserhöhungen der KVB um über 50 Prozent für Aufsehen. Am Rudolfplatz und am Zülpicher Platz blockierten Studierende und Schüler*innen die Gleise der Stadtbahn. Die große politische Demonstration wurde letztlich gewaltsam durch die Polizei aufgelöst. Der damalige AStA-Vorsitzende Hans Laepple, der die Demo organisierte, wurde angeklagt: Unruhestiftung, schwerer Landfriedensbruch, Nötigung. Dank des neuen Straffreiheitsgesetzes von 1968 kam es nachträglich aber zu keinen weiteren Verhandlungen gegen ihn und auch die KVB verzichtete weitestgehend auf ihre Schadensersatzforderungen. Nach ihm wurde das „Laepple-Urteil” benannt, durch das der Tatbestand der Nötigung am Bundesgerichtshof neu definiert wurde.

 

Währenddessen gingen die Unruhen weiter: In Berlin wurde 1967 der Student Benno Ohnesorg während einer Demonstration gegen den Schah-Besuch von einem Polizisten erschossen. Ein weiteres Jahr darauf verübte ein Rechtsextremist ein Attentat auf Rudi Dutschke, den Wortführer der westdeutschen Studentenbewegung, das er nur knapp überlebte. Als das Parlament dann auch noch die Notstandsgesetze beschloss, die dem Staat mehr Freiheiten während Krisenzeiten geben sollten, sahen die Studierenden darin einen massiven Eingriff in die Grundrechte. Die Proteste eskalierten.

 

In Köln besetzten die studentischen Demonstranten die Uni und benannten sie kurzerhand in „Rosa-Luxemburg-Universität“ um. In großen Lettern prangte der Name der linken Vordenkerin an der Fensterfront des Hauptgebäudes. Doch nicht alle Studierenden waren vom linken Zeitgeist erfasst. Auf einem Bild der Proteste (einmal zurückblättern bitte) ist zu sehen, wie konservative Studierende ein Schild mit der Aufschrift „Radio” über den Schriftzug „Rosa“ hängten. „Radio Luxemburg“war damals ein populärer Musiksender, heute heißt er RTL.

 

Die Revolution von 1968 ist nun 50 Jahre her. Und viele der Ziele, für die die Studierenden damals gestritten haben, wurden erreicht. Weltweit formte der Protest die Gesellschaft neu und prägt sie noch heute. Doch die Errungenschaften der 68er werden zunehmend in Frage gestellt. In den USA macht Donald Trump Rassismus und Sexismus wieder salonfähig und in der internationalen Politik geben zunehmend autoritäre Staaten den Ton an.
 

Auf den folgenden Sonderseiten erzählen wir, wie sich Studierende heute auflehnen. Wir haben Aktivist*innen in New York getroffen, die sich gegen den Kurs ihres Präsidenten stellen. Und ein junger Journalist aus Moskau berichtet, wie er in Russland mit seinen Kommiliton*innen gegen die Zensur kämpft.

 

 

50 Jahre ist es her, dass Studierende auf die Straße gingen und Deutschland mit ihren Protesten aufgerüttelt und umgekrempelt haben. Heute ist die Gesellschaft wieder in Bewegung. Wie reagieren Studierende darauf? Wie kämpfen sie heute für ihre Ideale? Ein Journalismusstudent aus Moskau hat uns vom Kampf seiner Kommiliton*innen gegen die Zensur in Russland berichtet, und unser Autor Till Daldrup hat über den Aufstand der Studierenden in New York geschrieben.

 

Wer noch mehr zur 68er-Bewegung erfahren möchte, kann die Ausstellung des Kölnischen Museums „KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation.“ besuchen, die vom 20.10.2018 bis 24.02.2019 zu sehen ist.

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