Gedanken zu Rassismus und Polizeigewalt

June 10, 2020

 

In einer Situation, in der Schweigen Zustimmung bedeutet, möchten wir als privilegierte Redakteur*innen einige Gedanken zum Thema Rassismus teilen. In der Überzeugung, dass der Moment gekommen ist, da niemand sich länger hinter dem Privileg verstecken sollte, Rassismus ausblenden zu können.

 

In Gedenken an alle Opfer rassistischer Polizeigewalt, immer und überall.

 

 

 

​Illustration: Dino Cantarella

 

 

"Le racisme c'est les autres"

 

Am 25. Mai 2020 wurde der Afroamerikaner George Floyd von rassistischen Polizisten ermordet. Seitdem sind zwei Wochen vergangen. Trotzdem sind meine Wut und Hilflosigkeit nicht besser geworden. Als weißer Deutscher habe ich zwar gute Chancen, nicht von der Polizei, von Nazis oder von einer Kombination aus beidem getötet zu werden, doch das heißt nicht, dass es mich weniger angeht. Schwarze Menschen, aber auch alle, die sonstwie als "anders" wahrgenommen werden, haben auch in Deutschland Angst vor Polizeikontrollen. Nicht weil jeder Cop ein Nazi ist, sondern weil in jedem Menschen ein bisschen Nazi steckt, und kritische Situationen schnell dieses Nazischwein im Menschen herauskitzeln. Und dann kriegt "der Schwarze" halt mit höherer Wahrscheinlichkeit Schläge als "der Weiße". Dazu kommt, dass ich eine Person mit einer recht erfolgreichen Polizeikarriere kenne, die nach eigener Aussage aus Spaß Menschen verprügelt. Dieser Person muss ich leider zutrauen, dass sie im Ernstfall auf die von ihr als "Flüchtlinge" bezeichneten Menschen noch härter und öfter einschlägt als auf alle anderen. Solche Menschen im Polizeidienst sind Realität, hier und heute.

 

Und ich denke den schlimmen Gedanken:

Wenn ich eines nicht sein möchte in Deutschland, dann schwarz. 

 

Ich war am Wochenende auf zwei Demonstrationen. natürlich bin ich froh, dass diese Bewegung andere Menschen genauso bewegt wie mich und man für eine zweifellos richtige Sache demonstriert. Aber eines ist mir immer wieder aufgefallen: Vor allem weiße Menschen externalisieren Rassismus. So, wie die Ideologie von der White Supremacy "die Schwarzen" für Kriminalität verantwortlich macht, so schieben weiße Menschen gerne jeglichen Rassismus auf "die Nazis". Diese Darstellung ist nicht nur verkürzt, sondern richtig scheiße. Verantwortlich sind wir alle. Es gibt sogar Situationen, in denen schwarze Menschen noch schlimmer sind als weiße. Z.B. suggerieren Statistiken, dass schwarze Polizist*innen schneller auf schwarze Verdächtige schießen als ihre weißen Kolleg*innen. Dementsprechend kann keine weiße Person behaupten, frei von Rassismus zu sein. "L'enfer c'est les autres", "Die Hölle, das sind die anderen", lautet ein berühmter Satz von Sartre. Schön wär's.

 

Nikolaus Thiess

 

 

 

„El mundo es mi casa - Die Welt ist mein Zuhause“

 

Unser Denken schafft unsere Realität. Gedanken sollten wir prüfen. Gedanken wandeln sich, müssen hinterfragt werden. Gut 500 Jahre hat sich nun die Trennung von Menschen in Rassen, in unsere Neuronen eingepflanzt. Ausgehend von der Europäischen Sprache, verbreitet in der Welt. „Du bist so, weil du so bist, wie du bist. Und das sagt mir jetzt grade mein Denken.“ Wo kommen wir denn als Menschheit hin, wenn wir immer noch an diesen Verurteilungen und Unterteilungen festhalten? Unser Verstand ist zu den gröbsten Rechtfertigungen fähig. Und ein Meister darin, sich Argumente auszudenken, um sich Dinge zurecht zu legen. Wir brauchen nur in die Geschichte der Kolonialisierung schauen. Wieviel Leid durch Sklaverei und Grenzen in der Welt herrscht und geherrscht hat. Wir sollten die Schubladen öffnen und Platz machen für einen Wandel. Wir sollten auf unser Herz hören und erkennen, dass wir im Kern identisch sind. Dass äußere Erscheinungsunterteilungen oder Dokumente, die bestimmte geographische Gebiete voneinander abgrenzen, gesellschaftlich produzierte Konstrukte sind. Konstrukte, von denen wir uns lösen müssen um in Frieden miteinander zu sein und uns zu begegnen. Nicht von Grenze zu Grenze. Sondern von Mensch zu Mensch.

 

„Ich bin Mensch und die Welt ist mein Zuhause“

 

Savanna Schmitz

 

 

Verärgerte Blicke

 

Mein Freund und ich haben einen Tagesausflug in das Waldgebiet Hallerbos in Belgien gemacht. Dort blüht im Frühling ein Teppich aus lilafarbenen Hasenglöckchen, für den jedes Jahr große Mengen an Schaulustigen und Fotograf*innen anreisen. Mein Freund wohnt in Belgien und wir hatten an dem Wochenende Zeit, uns zu den anderen Spaziergänger*innen zu gesellen. Als wir durch den Wald liefen, kamen uns somit immer wieder Menschen entgegen. Von einigen trafen uns irritierte und verärgerte Blicke. Warum? Mein Freund hat etwas dunklere Haut und schwarze Haare, während ich mit meiner hellen Haut und roten Haaren oft für eine Belgierin gehalten werde. Normalerweise sind wir in Löwen, einer Stadt mit internationalen Einwohner*innen, in der uns nur selten komische Blicke treffen. Doch hier störten sich wohl einige Menschen daran, dass ein scheinbar belgisches Mädchen mit einem scheinbaren Ausländer Hand in Hand durch den Wald spazierte. Ich, Deutsche, wohne nicht in Flandern und spreche bisher nur das Nötigste der Landessprache. Mein Freund, Ägypter, arbeitet in Flandern, zahlt dort Steuern, hat einen Integrationskurs abgeschlossen, spricht Niederländisch und bewirbt sich bald für die Staatsbürgerschaft.

 

Man kann Menschen eben nicht anhand ihrer Hautfarbe beurteilen. Und das gilt auch in Deutschland und weltweit.

 

Alexa Küppers

 

 

 

 

 

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