Sonntagskolumne: Ein-Tages-Urlaube

August 2, 2020

 

Das wohl ungewöhnlichste Semester ist nun vorbei und viele Studierende stecken in der Klausurenphase. Und was kommt dann? Diese Kolumne soll ein bisschen brainstormen, was man trotz der Einschränkungen so alles erleben kann – vor der eigenen Haustür. 

 

Zunächst einmal wird dies keine bloße Aufzählung von Alternativen zu dem alljährlichen Sommerurlaub. Der muss bei vielen – auch bei mir – dieses Jahr leider ausfallen. Ich habe deswegen den Ein-Tages-Urlaub für mich entdeckt bzw. allgemein bekannt als Tagesausflug. Aber eigentlich mutet es wie Urlaub an; es gibt eine Anreise, Entspannung und neue Eindrücke und eine Heimreise, eben alles im Kleinformat. Als

 

ersten Ausflug musste ich mich nur in die Bahn setzen und ein paar Stationen in die Innenstadt fahren. Im Museum Schnütgen hat eine Ausstellung zu den Arbeiten von Meister Arnt eröffnet. Mittelalterliche Kunst steht nicht bei jedem Leser auf seiner Favoritenliste, aber die Bildschnitzereien muten modern an und bei einigen Exponaten hat sich sogar die originale Farbigkeit erhalten. Die Physiognomie der Bischofsfigur, gleich rechts neben dem Eingang, gleicht einer psychologischen Studie. Die Büste erwacht förmlich zum Leben und hat nichts mit der verpönten Kunst des Mittelalters zu tun. Ein Highlight ist der Georgsaltar, der als Leihgabe aus Kalkar im Museum restauriert worden ist. Die Abenteuer des heiligen Georg werden wie in einem 3D-Komik erzählt. Stundenlang kann man immer neue Details entdecken, wie z.B. die kleinen weißen Häschen, die in Erdlöchern verschwinden. Wer also meint, mittelalterliche Kunst sei öde, sollte mal einen Ein-Tages-Urlaub mit dem heiligen Georg verbringen. 

Eine ganz andere Reise bietet zurzeit das Wallraf-Richartz-Museum + Foundation Corboud in einem kleinen Raum mit tollen Panoramablick über die Ausgrabungen der jüdischen Siedlung an. Das Museum zeigt Seestücke der niederländischen Malerei aber leider ohne Meeresrauschen und Salz in den Haaren. Und wem das noch nicht reicht, der kann mit den jungen Kunstfreunden nächste Woche nach Düsseldorf in die Kunsthalle fahren und sich durch die dortige fotografische Ausstellung führen lassen. 

Wenn es doch ein bisschen mehr Natur sein soll, bietet sich das Siebengebirge an – und nein, ich rede nicht vom Drachenfels. Abseits der Wander-Hotspots schlängeln sich viele Wanderwege durch die Berge. Von der Station Niederdollendorf ist es nur ein minimaler Anstieg bis in die Weinberge hinein. Von dort gelangen die Wanderlustigen zu dem Kloster Heisterbach. In dem dazugehörigen Klostergarten lädt alles zu einem sommerlichen Picknick ein. Am Ende der Tour gelangt man zu einer Streuobstwiese und kann sich dort sogar ehrenamtlich engagieren. Im Internet wird die Dauer mit 2,5 Stunden unterschätzt. Plant etwas mehr Zeit ein und probiert auf dem Rückweg in Oberdollendorf ein Weinchen in einem der verschiedenen Weingüter. 

Falls das Siebengebirge doch zu voll ist, ist die Eifel nicht weit, oder Koblenz oder Bonn oder der Königforst, oder, oder, oder ...

 

Museum Schnütgen: Arnt der Bilderschneider – Meister der beseelten Skulpturen, 25. Juni – 20. September 2020

 

Wallraf-Richartz-Museum + Foundation Corboud: Poesie der See, Niederländische Marinemalerei des Goldenen Zeitalters, 21. Mai 2020 – 11. Apr. 2021

 

JungeKunstfreunde: Between Art and Artists. Mit Künstler*innen durch die Kunsthalle Düsseldorf, 08. August 2020, MIT ANMELDUNG 

 

Klosterwanderung bei Ich-geh-wandern.de

 

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