• Marie Averbeck

Sonntagskolumne: Stadtperspektiven

„Guten Morgen Berlin Du kannst so hässlich sein So dreckig und grau Du kannst so schön schrecklich sein Deine Nächte fressen mich auf Du bist nicht schön und das weißt du auch Dein Panorama versaut Doch die Sonne geht gerade auf Und ich weiß, ob ich will oder nicht Dass ich dich zum Atmen brauch“

(Foto: Pixabay)

Auch wenn Peter Fox über die deutsche Hauptstadt singt, kann ich mich in seinen Worten sehr gut wiederfinden. Seit genau einem Jahr und 7 Monaten wohne ich nun schon in der Domstadt. Und immer noch bin ich unentschlossen, was ich von dieser Stadt halten soll. Sie macht mich wahnsinnig, wenn ich wieder mal mit dem Auto die Ausfahrt verpasst habe und prompt auf der anderen Rheinseite lande. Sie macht mich traurig, wenn ich am Neumarkt umsteigen muss und das Elend der Menschen hautnah mitbekomme. Sie verärgert mich, wenn ich den Müll und den Dreck sehe. Sie frustriert mich, wenn ich mal wieder auf der viel befahrenen Straße radeln muss, da es immer noch kein Fahrradweg gibt. Und sie überfordert mich, wenn mir auf der Hohen Straße die Menschenmassen begegnen und ich mich ganz schnell an einen einsamen Ort wünsche oder zumindest in die Kleinstadt zurück, aus der ich stamme. Köln, du bist so groß, laut, voll und leider auch sehr heruntergekommen.

Und doch staune ich. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin und eben noch graue Betonklötze an mir vorbeigezogen sind, sich jedoch plötzlich wunderschöne Altbauten auftun und die Sonne sich wie auf Kommando zwischen die grauen Wolken schiebt. Bunte Häuser. Cafés mit lustigen Namen. So viel zu gucken… Wenn ich mich mal wieder verfahren habe und auf einmal zwischen endlosen Wiesen und Felder stehe, als wäre ich mitten auf dem Land und nicht in der viertgrößten Stadt Deutschlands. Wenn ich mich an der Rodenkirchener Riviera in den Sand fallen lasse und mich fast ein bisschen wie im Urlaub fühle. Köln, du überraschst mich immer wieder. Wenn ich an jeder Ecke, die faszinierenden Zeugnisse der Vergangenheit dieser geschichtsträchtigen Stadt entdecken kann, bin ich nicht nur als Geschichtsstudentin beeindruckt. Und wenn ich am 11.11. Arm in Arm mit fremden Menschen „Unsere Stammbaum“ singe, fühle ich es. Dann weiß ich was die Höhner mit „Kölle du bis e Jeföhl“ meinen. Diese Gelassenheit, dieses Lebensgefühl, gibt es wohl nirgendwo sonst. Köln, du bist klasse. Auch wenn man manchmal etwas länger braucht, um das zu entdecken. Und plötzlich bin ich froh, ein Teil dieser bunten, vielseitigen, widersprüchlichen Stadt zu sein. (Foto: Pixabay)



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