• Verena Bauer

Ein Sonntag mit mir

Es ist Sonntag. Ein freier Tag. Keine Uni, keine Arbeit. So viel Zeit. Aber was mache ich bloß? Hatte ich nicht gestern noch meine Freundin Clara gefragt, ob sie mit mir in den Park gehen will? Ich schaue auf mein Handy, sie hat geantwortet – keine Zeit, sie hat schon andere Pläne. Und ich? Ich gehe in meinem Kopf meine anderen Freundinnen und Freunde durch, irgendjemand muss doch Zeit haben, denke ich, und spüre, wie ich in Stress verfalle.


Das ist schon ein paar Jahre her. Inzwischen versetzen mich solche Situationen nicht mehr in Stress. Stattdessen plane ich gezielt komplette Tage – oder zumindest komplette Nachmittage oder Abende – ein, die ich für mich habe.

Doch warum fiel es mir anfangs so schwer, allein zu sein und Dinge allein zu machen? Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich das erste Mal allein auf einem Konzert war: Ich befürchtete, mich könnten dort Bekannte oder Kommiliton*innen entdecken – und dann so etwas denken wie: „Hat sie denn keine Freunde? Oder warum ist sie allein hier auf dem Konzert?“ Ich habe den ganzen Abend versucht, unsichtbar zu sein. Ich wollte nicht für einsam gehalten werden, als ich allein war. Inzwischen kenne ich den Unterschied zwischen einsam und allein: Während Alleinsein eher das physische Alleinsein bedeutet – es sind keine anderen Menschen hier – beschreibt Einsamkeit ein Gefühl, welches man auch umgeben von Menschen haben kann: das Gefühl, von den Menschen nicht wertgeschätzt und gebraucht zu werden. Kein schönes Gefühl. Ich kann mich auf einer Party einsam fühlen. Aber ich muss mich nicht einsam fühlen, wenn ich allein in meinem Zimmer bin.


Rückblickend kann ich meine Angst auf dem Konzert nicht mehr verstehen. Inzwischen bin ich mutiger geworden. Ich war schon allein im Restaurant, im Kino, auf Reisen, Wandern, in Museen, im Theater, im Park, in einer Kneipe, im Schwimmbad. Und oft allein zu Hause. Mit einem Podcast, einem Buch oder meinem Tagebuch, Netflix, einem Puzzle, Wasserfarben und Papier, meiner Ukulele, Wolle und Stricknadeln oder einem neuen Rezept. Allein entscheide nur ich, was ich machen möchte, ohne Kompromisse. Manchmal ist das schwer, da ich gut auf mich selbst hören muss – worauf habe ich Lust? Es sind keine Freund*innen da, die mir die Entscheidung abnehmen. Aber trotzdem genieße ich es. Ich kann mich besser kennen lernen, wenn ich allein bin, da ich komplett auf mich hören kann. Ich kann mich auch besser wertschätzen, da ich Dinge nur für mich tue – und nicht für andere. Ich genieße das Alleinsein und weiß, dass ich dabei meistens nicht einsam bin.


Den heutigen Sonntag werde ich wieder mit mir selbst verbringen. Worauf habe ich Lust? Ich weiß es noch nicht. Ich habe so viele Möglichkeiten.


Quelle: https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article122448909/Was-Alleinsein-von-

Einsamkeit-unterscheidet.html

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