• Dominik Jäger (Kölner Journalistenschule)

Homeoffice macht den Master

Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages, findet Lara Sörgel. Morgens backt sich die Studentin gerne Pancakes oder Rührei. Das hat einen gewissen Unterhaltungswert, denn sie wird beobachtet. Lara steht zwar allein in der Küche, doch ihre rund 30 Kommiliton*innen können ihr am Herd zusehen. Laras Laptop steht neben ihr und per Videokonferenz nimmt sie teil an den Vorlesungen der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW). „Es ist jedes Mal ein Spektakel“, sagt die 23-Jährige.



Sie studiert im dritten Semester im Master Public Relations und Digitales Marketing und sitzt wie ihre Kommiliton*innen und Dozent*innen zu Hause am Laptop in Videokonferenzen. „Homeoffice“ ist gerade Alltag.


Da Lara von zu Hause studiert, kann sie länger schlafen. Die erste Vorlesung startet um neun Uhr, da reicht es ihr, den Wecker auf 8.20 Uhr zu stellen. Vor Corona ist Lara täglich um sieben aufgestanden.



Während der Vorlesung bereitet sie ihr Frühstück vor und mahlt ihren Kaffee in einer alten Kaffeemühle. „Dann fragt mich immer jeder Dozent, wenn er das zum ersten Mal sieht: ‚Mahlen Sie da gerade Kaffee, Frau Sörgel?‘ Die finden’s witzig“, sagt Lara und lacht. Weiter stören würde es ihre Dozent*innen nicht, schließlich konzentriere sich die Studentin auch auf das Studium. „Die Dozenten wissen ja, dass ich trotzdem mitmache und dann können die auch sehen, dass ich gerade Kaffee trinke.“ Die Hochschule wünscht sich, dass die Studierenden die Kameras in den Konferenzen anschalten, eine Pflicht besteht nicht. Lara ist mit Video dabei, alle Teilnehmenden können in ihr WG-Zimmer blicken – und in die Küche.


Die Dozent*innen würden während der Vorlesung kaum auf die Videos der Studierenden achten, Laras Kommiliton*innen jedoch schon. Manchmal winkt Laras Mitbewohnerin, die auch an der HMKW studiert, in Laras Kamera. Wegen der kleinen Kursgröße sind die Seminare deutlich weniger anonym als in einem Hörsaal. Lara kennt auch ihre Kommiliton*innen alle persönlich, mit denen sie im dritten Semester im Master Public Relations und Digitales Marketing an der HMKW studiert.


Dort vermisst sie den Unialltag. Auch wenn die Studentin es genießt, sich Zeit für das Frühstück zu nehmen, würde sie gerne wieder in der Mensa essen. „Sich mal ‘ne halbe Stunde lang in der Mensa in der Pause zusammensetzen und blöde Witze reißen. Das geht halt verloren.“


Den analogen Kontakt vermisst Lara auch als Mitglied des AStA. Lara ist im Kommunikationsteam und betreut dort den

Instagram-Auftritt. Letztes Jahr stellten sie dort noch Clubs vor, im Frühjahr hat sich das Team etwas Neues überlegt und Parks in Köln vorgestellt – Corona-konform.



Corona-konform arbeitet Lara auch an den Gruppenprojekten, die die Studierenden an der HMKW machen. Online miteinander zu arbeiten sei schwieriger – trotzdem machbar. „Wir haben dann oft einfach WhatsApp-Calls gemacht und haben dann währenddessen in unserem Google doc gemeinsam gearbeitet. Dann siehst du trotzdem, was der andere macht“, sagt sie.


Lara hat sich auch schon mit Freund*innen übers Netz zusammengeschaltet, um Sport zu treiben. „Zusammen macht es mehr Spaß zu leiden“, sagt sie. „Alleine fehlt mir der Antrieb.“


Letzterer fehlt ihr jüngst auch an freien Tagen, an denen Lara vor Corona etwas für die Uni getan habe. Derzeit schaut sie an solchen Tagen Serien auf Netflix und verbringt viel Zeit auf Instagram. „Das ist so eine schlechte Angewohnheit und die kam jetzt speziell durch Corona raus, weil ich sonst den Anspruch habe, was zu erledigen. Da bin ich manchmal mein eigener Feind.“


Um sich selbst etwas zu gönnen, steht seit Corona eine Schale mit Süßigkeiten auf Laras Schreibtisch. Mit ihrer Hilfe will sie im nächsten Jahr ihre Masterarbeit schreiben – hoffentlich im echten Unialltag. Ihre Pancakes backt sie dafür gerne auch ohne Zuschauer.



Infobox:

Wo studierst du?

Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW)


Was?

Public Relations und Digitales Marketing


Welches Semester?

Drittes Semester im Master


Was vermisst du am meisten?

Das zwischenmenschliche, den Uni-Alltag und blöde Witze in der Mensa zu reißen





Eine Kooperation mit Student*innen der Kölner Journalistenschule unter Leitung von Ismene Poulakos

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