• Hannah Mertens (Kölner Journalistenschule)

Weltenbummlerin im Multitasking-Modus

Weltenbummlerin im Multitasking-Modus


Maya macht ihren Master an der Uni Köln. Vor Corona ist sie so viel gereist wie möglich, jetzt findet ihr ganzes Leben in einem WG-Zimmer in Ehrenfeld statt, sei es das Studium oder sogar der Nebenjob.


Maya hat die Vorhänge zugezogen. Auf 16 Quadratmetern kann man ihr altes und ihr neues Leben besichtigen. An der Pinnwand hängen Bilder von Affen im Urwald, Elefanten in Sri Lanka, dem Eiffelturm. An die Gardinenstange hat sie ihre kleine Sammlung von Sonnenhüten geknotet: aus Holland, Griechenland und der Slowakei. Es sind Erinnerungen an Mayas Reisen und Auslandsaufenthalte. An die Zeit vor Corona, als sie noch in aller Welt unterwegs sein konnte.


Nun verbringt sie die meiste Zeit an dem schlichten, weißen Schreibtisch mit zwei Laptops und einem Monitor, zwischen der Gitarre und dem Kaktus in der Zimmerecke. Mayas neues Leben spielt sich nicht mehr an fernen Stränden und in antiken Tempelanlagen ab, sondern nur noch in der Zweier-WG in Ehrenfeld. Neben den Bildern ihres alten Lebens aus der Zeit vor Corona hängt der handgeschriebene Wochenplan fürs Homeoffice.


Im Dezember 2019 kam sie von ihrem Auslandssemester aus Dublin zurück, im Oktober begann die inzwischen 24-jährige das Masterstudium Sociology and Social Research an der Uni Köln. Eigentlich wollte sie in den Wintersemesterferien einen Trip nach Prag machen, stattdessen sitzt sie nun seit März Tag für Tag von früh bis spät auf dem Schreibtischstuhl – in Jogginghose. „Die habe ich mir gerade im zweiten Lockdown zugelegt“, sagt sie und lacht.


Maya wartet auf die nächste Vorlesung auf Zoom. Ihr ständiger Begleiter: die Tasse Kaffee, bedruckt mit dem ersten Buchstaben ihres Vornamens: „M“. „Die darf nicht fehlen, gerade, weil die Kaffeemaschine jetzt so einfach erreichbar ist.“

Neben der Uni ist sie Marktforschungsassistentin bei Research DocCheck und erstellt Studien für Unternehmen, wertet Antworten aus, baut aus den Ergebnissen Präsentationen. „Für die Arbeit habe ich die drei Bildschirme.“ Achteinhalb Stunden verbringt sie im Durchschnitt täglich am Schreibtisch, davon knapp sechs fürs Studium.


Auf dem Wochenplan stehen aber nicht nur Vorlesungen und DocCheck-Schichten, Maya hat auch genau aufgeschrieben, um wie viel Uhr an welchem Tag sie sich für die Uni vorbereiten will – und wie lang die Lerneinheit dauern soll. „Ich bin ziemlich gut organisiert.“


Im Gegensatz zu anderen Studierenden hat Maya Glück, dass sie weiterhin arbeiten kann, das ist ihr klar. Sie will das Pensum trotzdem herunterschrauben, denn vor allem ihre Arbeit bei DocCheck wird ihr gerade zu viel. „So wie es im Moment ist, halte ich es nicht mehr lange durch.“ Regelmäßig muss sie auch am Wochenende Dinge aufarbeiten, weil es unter der Woche einfach nicht aufgegangen ist, sagt Maya. „Am Wochenende möchte ich mir eigentlich gerne alles freihalten, da ist auch einfach mal dämlich Netflix gucken angesagt.“


Maya liest wieder mehr seit dem Lockdown. Auf ihrem Nachttisch liegt der Harry-Potter-Band, den sie vor ein paar Tagen auf einem ihrer Lockdown-Spaziergänge auf einer Fensterbank gefunden hat. Die Geschichten vom Zauberlehrling haben sie erneut gepackt, das letzte Mal hat sie die Reihe mit 12 Jahren gelesen. Inzwischen hat sie die restlichen Bände im Haus ihrer Eltern herausgekramt. Sie hat sich fest vorgenommen, den Gutschein für Gitarren- und Gesangsstunden bald einzulösen, den sie zum Geburtstag bekommen hat. Im Moment geht das natürlich nicht. Weil ihr Fitnessstudio zu ist, geht sie so oft wie möglich mit ihrer Mitbewohnerin Joggen oder macht Yoga. „Ich versuche, mich im Home Office nicht gehen zu lassen.“


Ansonsten schwelgt Maya in Erinnerungen: an Irland, Neuseeland, die USA, Griechenland und Indien. In Sri Lanka hat sie für eine gemeinnützige Organisation Kinder und junge Erwachsene unterrichtet, Schildkröten aufgezogen und Müll von Stränden gesammelt. Jetzt betreut sie ab und zu noch deren Internetseite – wie fast alles vom WG-Zimmer in Ehrenfeld aus.


„Ehrlich gesagt hatte ich Angst vor einem zweiten Lockdown“, gibt Maya zu. Ihr fehlt der menschliche Kontakt, einfach mal in der Uni gemeinsam mit Kommilitonen von einem Seminarraum zum anderen schlendern, sich einen Kaffee holen. Es sind Kleinigkeiten, die sie im Moment aber sehr vermisst. Einen Vorteil hat die Pandemie allerdings: weil ihre Freunde auf der ganzen Welt alle im selben Boot sitzen und zu Hause vor irgendeinem Bildschirm hocken, ist der Kontakt in andere Länder jetzt unkomplizierter geworden. „Letzte Woche hatte ich Geburtstag“, sagt Maya. „Den hab ich über Zoom gefeiert.“ Mit Freunden aus der Schweiz, Irland und Luxemburg.


Eine Kooperation mit Student*innen der Kölner Journalistenschule unter Leitung von Ismene Poulakos

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